Dieses Mal führt mich mein Ausflug in das ehemalige Stasi Gefängnis Berlin im Stadtteil Hohenschönhausen. Seit ich die Serie Weißensee gesehen habe, interessiere ich mich noch mehr für die Geschichte der DDR.
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen spielte dabei eine bedeutende Rolle. Also buchte ich eine Führung durch das ehemalige Stasi Gefängnis. Dass diese von einem Zeitzeugen begleitet wurde, machte den Besuch für mich besonders eindrücklich.
In diesem Beitrag nehme ich dich mit durch die ehemalige Haftanstalt und erzähle dir von meiner Führung. Außerdem findest du praktische Tipps für deinen eigenen Besuch.

Inhaltsübersicht
Stasi Gefängnis Berlin: Für Eilige
Das ehemalige Stasi Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen kannst du nur im Rahmen einer Führung besichtigen. Der Rundgang führt unter anderem durch ehemalige Zellen und Verhörräume und wird von ehemaligen politisch Inhaftierten oder Historikern begleitet.
Plane etwa 2 Stunden ein: Die Führung dauert rund 1,5 Stunden, hinzu kommt ein Einführungsfilm.
Mein Tipp: Reserviere deinen Termin vorab. Die Teilnehmerzahl der öffentlichen Führungen ist begrenzt.
Anfahrt zum Stasi Gefängnis Berlin Hohenschönhausen
Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichst du die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen recht einfach. Vom Alexanderplatz kannst du zum Beispiel mit der Tram M5 bis zur Freienwalder Straße oder mit der M6 bis zur Genslerstraße fahren. Auch die Tram 16 und der Bus 256 fahren in die Nähe der Gedenkstätte. Von den Haltestellen sind es nur wenige Gehminuten.
Wenn du mit dem Fahrrad unterwegs bist, findest du gegenüber der Gedenkstätte Möglichkeiten zum Anschließen. Kostenfreie Parkplätze gibt es ebenfalls in den umliegenden Straßen. Da diese begrenzt sind, würde ich für einen möglichst unkomplizierten Besuch die Anreise mit der Tram oder dem Fahrrad empfehlen.
Adresse: Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Genslerstraße 66, 13055 Berlin

Stasi Gefängnis Berlin: Führung, Tickets und Öffnungszeiten
Die ehemalige Untersuchungshaftanstalt kannst du nur im Rahmen einer Führung besichtigen. Die öffentlichen Rundgänge führen durch die Außenanlagen, ehemalige Zellen und Verhörräume und werden von ehemaligen politisch Inhaftierten oder Historikern begleitet.
Für deinen Besuch solltest du etwa 2 Stunden einplanen. Die eigentliche Führung dauert rund 1,5 Stunden, hinzu kommt ein kurzer Einführungsfilm.
- Preis für die öffentliche Führung: 9 Euro
- Ermäßigt: 5 Euro
- Schüler: 2,50 Euro
- Dauer: ca. 1,5 Stunden plus Einführungsfilm
Von März bis Oktober starten deutschsprachige Führungen täglich stündlich zwischen 10 und 16 Uhr. In den Wintermonaten gibt es weniger Termine. Da sich Zeiten und Angebote ändern können, würde ich deinen gewünschten Termin vorab auf der Webseite der Gedenkstätte prüfen und direkt reservieren.

Führung mit einem Zeitzeugen
Bevor unsere Führung durch das ehemalige Stasi Gefängnis beginnt, sehen wir zunächst einen kurzen Film über die Geschichte des Ortes. Anschließend begrüßt uns Manfred, der uns während des Rundgangs von seinen persönlichen Erfahrungen berichtet.
Manfred ist Zeitzeuge und war 1971/72 selbst etwa neun Monate in der Untersuchungshaftanstalt inhaftiert. Wie er uns erzählt, hatte er zuvor mehrere Jahre lang Menschen bei der Flucht aus der DDR geholfen. Die Flüchtenden wurden zunächst nach Ungarn gebracht und sollten von dort über Österreich mit neuen Dokumenten in die Bundesrepublik gelangen.
Dass uns ausgerechnet jemand durch die ehemalige Haftanstalt führt, der hier selbst inhaftiert war, macht die Führung für mich besonders eindrücklich. Hinter den Zellen und Verhörräumen stehen plötzlich nicht mehr nur historische Fakten, sondern eine ganz persönliche Geschichte.
Das „U-Boot“: Zellen ohne Fenster im Keller
Unsere Führung bringt uns zunächst in den Keller zum sogenannten „U-Boot“. Schon auf dem Gang sehen wir die schweren Zellentüren und können auch einen Blick in einige der Zellen werfen.
Die bunkerartigen Zellen sind beängstigend klein und haben keine Fenster. Tageslicht gab es hier nicht. Die Räume waren feucht und anfangs unbeheizt, lediglich eine Glühbirne brannte Tag und Nacht. Mich graust es bei der Vorstellung, unter solchen Bedingungen eingesperrt gewesen zu sein.
Ab 1947 nutzte der sowjetische Geheimdienst diesen Kellertrakt als zentrales Untersuchungsgefängnis. 1951 übernahm die Stasi das Gefängnis und führte es als zentrale Untersuchungshaftanstalt weiter.

Der Neubau im Stasi Gefängnis Berlin
Wir verlassen das „U-Boot“ und laufen hinüber zum sogenannten Neubau, der 1960 fertiggestellt wurde. Dabei passieren wir den Rosenhof, der seinem Namen zumindest bei meinem Besuch nur bedingt gerecht wurde. Besonders viele Rosen gab es hier nämlich nicht.
Im Neubau befanden sich auf drei Etagen mehr als 100 Zellen. Ein weiterer Teil des Gebäudes wurde als Vernehmertrakt mit Büros und Verhörräumen genutzt..

Verhörraum
Als wir einen der ehemaligen Verhörräume betreten, kommt er mir sofort bekannt vor. Ich habe das Gefühl, genau diesen Raum schon einmal gesehen zu haben. Tatsächlich diente das ehemalige Stasi Gefängnis auch als Drehort für die Serie Weißensee. Manfred bestätigt mir während unserer Führung, dass die Gegebenheiten dort seiner Meinung nach gut dargestellt werden.
In diesen Räumen fanden die Verhöre der Untersuchungshäftlinge statt. Besonders seit den 1960er Jahren setzte die Stasi dabei verstärkt auf psychologischen Druck. Die Gefangenen wurden streng voneinander isoliert, über ihren Aufenthaltsort im Unklaren gelassen und teilweise über Monate verhört. Dadurch entstand das Gefühl, dem System vollständig ausgeliefert zu sein.
Während wir in diesem unscheinbaren Büro stehen, erzählt uns Manfred später auch von seinen eigenen Verhören. Gerade die Vorstellung, dass solche Gespräche in Räumen stattfanden, die auf den ersten Blick fast gewöhnlich wirken, finde ich beklemmend.

Zellen im Neubau
Die Zellen im Neubau haben zumindest kleine Fenster, durch die etwas Tageslicht fällt. Viel besser waren die Haftbedingungen aber auch hier nicht.
Die Gefangenen wurden streng voneinander isoliert. Durch ein Ampelsystem auf den Fluren stellten die Wachleute sicher, dass sich die Inhaftierten möglichst nicht begegneten. Selbst Freunde oder Ehepartner konnten sich gleichzeitig in Untersuchungshaft befinden, ohne voneinander zu wissen.

Diese Isolation war Teil des psychischen Drucks. Die Ungewissheit über andere Gefangene und selbst über den eigenen Aufenthaltsort machte die Menschen zusätzlich abhängig von ihren Vernehmern.
In einem der Verhörräume erzählt uns Manfred schließlich, was er selbst während seiner Haft erlebt hat. Nach langem Widerstand unterschrieb auch er ein Geständnis, obwohl die darin enthaltenen Aussagen nach seiner Schilderung nicht der Wahrheit entsprachen. Unter anderem bekannte er sich schuldig, mit dem FBI zusammenzuarbeiten. Er wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt und nach Bautzen gebracht.

Haftkrankenhaus
Während unserer Führung können wir das ehemalige Haftkrankenhaus nicht von innen besichtigen. Manfred erzählt uns jedoch auch von diesem Teil des Gefängnisses.
Das Haftkrankenhaus wurde ab 1959 genutzt. Hier wurden unter anderem Untersuchungshäftlinge behandelt, die krank waren oder sich beispielsweise bei einem Fluchtversuch verletzt hatten. Die medizinische Versorgung war dabei Teil des Haftsystems. Patienten wurden weiterhin überwacht und isoliert, auch Verhöre fanden im Krankenhaus statt.
Von außen wirkt das Gebäude zunächst wenig auffällig. Wenn man weiß, was sich hier abgespielt hat, bekommt dieser Teil des Geländes jedoch eine ganz andere Bedeutung.

Hofzellen für den Freigang
Schließlich führt uns Manfred zu den sogenannten Hofzellen. Hier konnten die Gefangenen für kurze Zeit an die frische Luft und zumindest ein Stück Himmel sehen, wenn auch hinter Gittern und unter strenger Bewachung.
Viel Platz gab es dafür nicht. Die einzelnen Hofzellen umfassten nur wenige Quadratmeter und waren von hohen Mauern umgeben. Selbst Sport war während des Freigangs verboten.
Für die Gefangenen gehörten diese wenigen Minuten außerhalb ihrer Zelle dennoch zu den wenigen Abwechslungen im Haftalltag. Wenn ich mir die kleinen, abgeschotteten Höfe ansehe, wird mir noch einmal bewusst, wie wenig Freiheit selbst dieser sogenannte Freigang bedeutete.

Zum Abschluss erzählt uns Manfred, dass er gerne einmal mit einem ehemaligen Stasi Mitarbeiter sprechen würde. Er möchte verstehen, was in Menschen vorging, die Teil dieses Systems waren und anderen so viel Leid zufügten. Zum Zeitpunkt meiner Führung berichtete er uns, dass sich noch keiner der damaligen Aufseher bei der Stiftung als Zeitzeuge gemeldet hatte.
Manfred selbst sieht es als seine Aufgabe, von seinen Erfahrungen und den damaligen Haftbedingungen zu erzählen. Nach allem, was wir während der Führung gesehen und von ihm gehört haben, bleibt vor allem ein Gedanke hängen: Wir dürfen nicht vergessen, was an diesem Ort geschehen ist.

Gedanken zur Gedenkstätte Hohenschönhausen
Nachdenklich verlasse ich das Gelände nach dieser emotionalen Führung. Manfred hat recht: Vergessen ist keine Option. Ich bewundere ihn dafür, dass er seine persönlichen Erfahrungen mit uns teilt und sich dabei immer wieder mit dieser schwierigen Zeit auseinandersetzt.
Gerade die Führung mit einem Zeitzeugen hat meinen Besuch für mich besonders gemacht. Natürlich kann man viel über die Geschichte der DDR und der Staatssicherheit lesen. In den ehemaligen Zellen und Verhörräumen zu stehen und gleichzeitig die Geschichte eines Menschen zu hören, der hier selbst inhaftiert war, ist noch einmal etwas anderes.
Wenn du dich für die Geschichte der DDR interessierst, würde ich dir eine Führung durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen empfehlen. Plane dafür genügend Zeit ein, denn zumindest bei mir war nach dem Rundgang nicht sofort wieder Alltag angesagt.

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