Wie lässt sich ein Reiseblog über die Jahre zu einer eigenen Marke entwickeln? Diese Frage beschäftigt mich auch bei meinem Blog. Deshalb freue ich mich, dass nach Florian von Phototravellers diesmal Caro und Martin von WE TRAVEL THE WORLD Einblicke in ihre Arbeit geben.
Ihr Blog begann als Reisetagebuch für Familie und Freunde. Heute gehören selbst verlegte Reiseführer, ein eigener Shop und bezahlte Content- und Video-Kampagnen zu ihrem Unternehmen. Ich finde es beeindruckend, was die beiden aus diesem persönlichen Projekt aufgebaut haben.
Im Interview erzählen Caro und Martin, wie sie ihre Aufgaben aufteilen, welche Kooperationen zu ihnen passen und warum sie rückblickend früher Unterstützung ins Team geholt hätten. Außerdem wollte ich wissen, worauf sie setzen würden, wenn sie heute noch einmal mit einem neuen Reiseblog anfangen würden.

Inhaltsübersicht
Von der Weltreise zum gemeinsamen Reiseblog-Business
WE TRAVEL THE WORLD begann als Blog für Familie und Freunde. Erst nach der Reise zeigte sich, dass auch andere Leser Interesse an ihren Berichten hatten. Mich hat deshalb interessiert, wann Caro und Martin darin eine berufliche Perspektive gesehen haben.
Mandy: We Travel The World gibt es inzwischen seit vielen Jahren. Wann habt ihr gemerkt, dass aus eurem Reiseblog mehr als ein Hobby wird und ihr ihn wirklich als Business und Marke aufbauen könnt?
Caro und Martin: „Alles begann 2012 mit einer Schnappsidee. Wir kündigten 2013 unsere Jobs, um 10 Monate um die Welt zu reisen. Den Blog hatten wir ursprünglich nur gestartet, um Familie und Freunde auf dem Laufenden zu halten.
Als wir zurückkamen, merkten wir schnell, wie groß das Interesse an unseren Berichten war, und beschlossen, den Blog weiterzuführen. Der eigentliche Wendepunkt kam 2017: Martin war zu diesem Zeitpunkt bereits als Designer selbstständig. Nach dem Motto ‚Ganz oder gar nicht‘ hat auch Caro ihren Job als Projektmanagerin gekündigt, um voll bei WE TRAVEL THE WORLD einzusteigen. Ab diesem Moment haben wir das Ganze mit voller Energie als professionelles Business und echte Marke aufgebaut.“
Wie Caro und Martin ihre Aufgaben aufteilen
Ein Reiseblog bringt viele unterschiedliche Aufgaben mit sich. Neben Reisen und Schreiben gehören auch Technik, Bildbearbeitung, Organisation und die Zusammenarbeit mit Partnern dazu. Gerade weil ich bei meinem eigenen Blog vieles selbst übernehme, finde ich es spannend, wie die beiden ihre Arbeit aufteilen.
Mandy: Ihr führt We Travel The World gemeinsam. Wie teilt ihr die Aufgaben untereinander auf und wo seht ihr den größten Vorteil darin, einen Reiseblog als Team zu führen?
Caro und Martin: „Da wir beide unterschiedliche berufliche Hintergründe mitbringen, ergänzen wir uns ideal: Martin kümmert sich vor allem um Design, Videoproduktion, technische Entwicklung, Marketing und Ad-Campaigns. Caro bringt ihre Erfahrung als Projektmanagerin ein und übernimmt Organisation, Kooperationen, Content-Planung und Redaktion.
Der größte Vorteil liegt darin, dass man sich gegenseitig ergänzen, kreative Ideen spiegeln und Herausforderungen gemeinsam meistern kann. Zudem bringt jeder seine Stärken ein, wodurch die Inhalte deutlich vielfältiger und hochwertiger werden.“
Was eine starke Reiseblog-Marke ausmacht
Viele Reiseblogs berichten über dieselben Reiseziele. Mich interessiert deshalb, was einen Blog unverwechselbar macht und warum Leser gerade zu ihm zurückkommen.
Mandy: Inzwischen gibt es unzählige Reiseblogs und Reiseportale. Was macht für euch eine starke Reiseblog-Marke aus und wie schafft ihr es, dass We Travel The World einen eigenen Wiedererkennungswert behält?
Caro und Martin: „Eine starke Reiseblog-Marke entsteht durch Authentizität, Verlässlichkeit und ein klares Profil. Für uns bedeutet das: 100 % ehrliche Empfehlungen und Verlass auf die Qualität unserer Guides.
Unseren Wiedererkennungswert sichern wir durch mehrere Bausteine:
- Persönlichkeit & Bildsprache: Hochwertige Fotos und emotionale Videos aus unserer eigenen Perspektive.
- Reisefokus: Neben Klassikern berichten wir besonders gern über Ziele abseits der bekannten Pfade sowie Mikroabenteuer und Roadtrips.
- Eigene Buchreihe: Mit unseren selbst verlegten Reiseführern und Bestsellern (z. B. ‚Deutschland – 47 Ausflugsziele‘) haben wir WE TRAVEL THE WORLD auch außerhalb des Digitalen als Buchmarke etabliert.“
Der Reiseführer von Caro und Martin
Mit „Deutschland – 47 Ausflugsziele“ haben Caro und Martin ihre Reiseideen auch als Buch veröffentlicht. Wer nach Inspiration für Ausflüge in Deutschland sucht, kann hier einen Blick hineinwerfen.
Persönliches Interesse trifft auf Suchpotenzial
Die Themenwahl beschäftigt mich regelmäßig bei meinem eigenen Blog. Ich möchte über Reisen schreiben, die mich persönlich interessieren. Gleichzeitig soll aus meinen Erfahrungen etwas entstehen, das meinen Lesern bei ihrer Planung hilft und auch gefunden wird. Deshalb wollte ich wissen, wie Caro und Martin diese Interessen miteinander verbinden.
Mandy: Wie entscheidet ihr heute, welche Reiseziele und Themen für euren Blog interessant sind? Schaut ihr dabei auch auf Suchpotenzial und wirtschaftliche Chancen oder entscheidet ihr vor allem danach, worauf ihr persönlich Lust habt?
Caro und Martin: „Es ist eine Mischung aus beidem. Grundvoraussetzung ist immer, dass wir persönliche Lust auf ein Ziel haben und die Reise zu unserem Lebensstil und den Werten der Marke passt.
Gleichzeitig arbeiten wir als professionelles Business natürlich auch datengetrieben. Wir analysieren das Suchvolumen, um zu sehen, wonach Leser konkret suchen, und bereiten die Beiträge so auf, dass sie einen echten Mehrwert bieten. Wenn sich persönliches Interesse, Suchpotenzial und wirtschaftliche Chancen überschneiden, entsteht der beste Content.“
Welche Kooperationen zu WE TRAVEL THE WORLD passen
Eine Kooperation bedeutet auch, Zeit für eine Reise, ein Produkt oder eine Kampagne einzuplanen. Mich interessiert deshalb bei solchen Anfragen immer, ob daraus Inhalte entstehen können, die zu meinem Blog passen. Caro und Martin haben dafür klare Kriterien.
Mandy: Welche Rolle spielen Kooperationen beim Aufbau von We Travel The World und woran erkennt ihr heute, ob eine Zusammenarbeit wirklich zu euch und eurer Marke passt?
Caro und Martin: „Kooperationen mit Destinationen und Marken spielen eine wichtige Rolle. Wir verfolgen hier aber klare Prinzipien: Wir gehen ausschließlich bezahlte Kollaborationen ein, bei denen wir volle redaktionelle Freiheit behalten.
Ob eine Zusammenarbeit passt, prüfen wir an folgenden Kriterien:
- Passt die Destination oder das Produkt zu unseren Lesern (z. B. Natur, Outdoor, Roadtrips, nachhaltige oder besondere Erlebnisse)?
- Können wir ehrlichen Content erstellen, hinter dem wir voll stehen?
- Gibt es Raum für kreative Formate wie hochwertige Videos oder individuelle Kampagnen?
Passt ein Angebot nicht zu 100 %, lehnen wir es ab – Vertrauen bei den Lesern steht an erster Stelle.“
In meinem Beitrag über Kooperationen als Reiseblogger teile ich meine eigenen Erfahrungen und die Punkte, auf die ich bei Anfragen achte.
Womit WE TRAVEL THE WORLD Geld verdient
Mit ihren eigenen Reiseführern haben Caro und Martin auch ein Verlagsgeschäft aufgebaut. Welche Rolle spielt dieser Bereich neben Kooperationen, Werbung und Affiliate-Marketing?
Mandy: Mit welchen Einnahmequellen verdient ihr heute hauptsächlich Geld und wie hat sich euer Geschäftsmodell über die Jahre verändert? Ihr müsst dabei natürlich keine konkreten Zahlen nennen.
Caro und Martin: „Unser Geschäftsmodell hat sich über die Jahre von einfachen Affiliates hin zu einer breit diversifizierten Erlösstruktur entwickelt:
- Eigene Produkte & Verlagsgeschäft: Der Verkauf unserer eigenen Print-Reiseführer und E-Books im WE TRAVEL THE WORLD Shop sowie über den Buchhandel ist eine wesentliche Säule.
- Bezahlte Kooperationen & Kampagnen: Individuelle Content- und Video-Kampagnen für Tourismusverbände und Marken.
- Display-Werbung & Affiliate-Marketing: Werbeeinblendungen auf dem Blog sowie Empfehlungen für Unterkünfte, Touren und Ausrüstung.“
Vom Reiseblog zur eigenen Buchmarke mit Shop
Ich finde es eine starke Leistung, was Caro und Martin über die Jahre aufgebaut haben. Vom persönlichen Reiseblog bis zur eigenen Buchmarke mit Shop steckt darin viel Arbeit und Ausdauer. Darauf können die beiden wirklich stolz sein.
Mich inspiriert ihr Weg, auch über die Weiterentwicklung meines eigenen Blogs nachzudenken. Welche Einnahmequellen ich bisher nutze und welche Erfahrungen ich damit gemacht habe, teile ich in meinem Beitrag über das Geldverdienen mit einem Reiseblog.

Warum sie früher Aufgaben abgegeben hätten
Da ich meinen Blog allein betreibe, finde ich besonders spannend, wie Caro und Martin ihre Aufgaben aufteilen und sich dabei ergänzen.
Mandy: Was war rückblickend euer größter Fehler beim Aufbau von We Travel The World – oder gibt es eine Entscheidung, die ihr mit eurem heutigen Wissen anders treffen würdet?
Caro und Martin: „Rückblickend war einer der größten Fehler, zu lange zu versuchen, alles alleine zu machen. In den ersten Jahren neigt man dazu, von der Buchhaltung über den Schnitt bis hin zum Texten jede Aufgabe selbst zu übernehmen.
Erst als wir gelernt haben, Aufgaben abzugeben und ein kleines, kompetentes Team aufzubauen, konnte die Marke nachhaltig wachsen. Außerdem würden wir noch früher auf den Aufbau eigener Produkte (wie unserer Reiseführer) setzen, statt uns rein von externen Monopolisierern oder Algorithmen abhängig zu machen.“
Worauf sie bei einem Neustart setzen würden
Besonders neugierig war ich auf die letzte Frage. Ein über Jahre gewachsenes Unternehmen weiterzuführen ist etwas anderes, als mit einem neuen Blog anzufangen. Welche Grundlagen würden Caro und Martin deshalb heute von Anfang an schaffen?
Mandy: Wenn ihr heute noch einmal bei null anfangen und eine neue Reiseblog-Marke aufbauen würdet: Worauf würdet ihr in den ersten zwei Jahren besonders viel Wert legen?
Caro und Martin: „Wir würden uns auf drei Kernaspekte konzentrieren:
- Spezialisierung & Scharfes Profil: Nicht ‚alles für jeden‘ bieten, sondern eine klare Nische besetzen (z. B. bestimmte Reiseformen oder Regionen).
- Unabhängigkeit von Social-Media-Algorithmen: Von Tag 1 an eine eigene E-Mail-Liste aufbauen und auf starke SEO setzen.
- Eigene Produkte & Markenidentität: Frühzeitig überlegen, wie man eigenen Wert schafft (z. B. Guides, Vorlagen oder digitale Produkte), um nicht rein von Werbeeinnahmen oder Sponsoren abhängig zu sein.“
Eine eigene E-Mail-Liste gehört auch für mich zum Aufbau meines Blogs. Was ich dabei bisher gelernt habe und warum ich trotz langsamen Wachstums daran festhalte, teile ich in meinem Beitrag über Newsletter für Reiseblogger.
Mein Fazit: Was kleinere Reiseblogs von WE TRAVEL THE WORLD lernen können
Was ich aus dem Interview mitnehme: Einen erfolgreichen Reiseblog aufzubauen bedeutet irgendwann auch, Entscheidungen zu treffen, die über das Schreiben neuer Beiträge hinausgehen.
Besonders interessant fand ich, dass Caro und Martin rückblickend zwei Dinge früher angegangen wären: eigene Produkte entwickeln und Aufgaben abgeben.
Gerade beim Thema eigene Produkte kann ich aus Erfahrung sagen, dass die Umsetzung oft schwieriger ist als die Idee. Einen digitalen Reiseführer oder ein anderes Produkt zu erstellen, ist die eine Sache. Dafür tatsächlich Käufer zu finden, eine ganz andere. Trotzdem finde ich den Gedanken richtig, sich früh mit zusätzlichen Einnahmequellen zu beschäftigen, statt ausschließlich auf Google-Traffic, Affiliate-Marketing oder Kooperationen zu setzen.
Auch das Thema Unterstützung beschäftigt mich. Bisher kümmere ich mich allein um meinen Blog, von der Recherche über SEO bis zur technischen Umsetzung. Das funktioniert, kostet aber natürlich viel Zeit. Ob und wann es sinnvoll wäre, einzelne Aufgaben abzugeben, ist eine Frage, die ich mir zunehmend stelle.
Was mir außerdem gefallen hat: Caro und Martin haben nicht einfach nur ihren Blog vergrößert. Sie haben ihre unterschiedlichen Fähigkeiten genutzt, um daraus weitere Geschäftsfelder zu entwickeln. Das zeigt mir, dass ein Reiseblog nicht zwangsläufig bei Blogartikeln und Affiliate-Links enden muss.
Natürlich lässt sich ihr Weg nicht einfach auf jeden kleineren Reiseblog übertragen. Nicht jeder hat die finanziellen Möglichkeiten, ein Team aufzubauen oder eigene Bücher zu veröffentlichen. Aber vielleicht geht es zunächst auch gar nicht darum, alles gleichzeitig umzusetzen, sondern bewusster zu entscheiden, in welche Richtung sich der eigene Blog entwickeln soll.
Vielen Dank an Caro und Martin für die offenen Einblicke und ihre Erfahrungen!
Wie unterschiedlich der Weg zum Reiseblog-Business aussehen kann, zeigt auch mein Interview mit Florian von Phototravellers. Dort sprechen wir unter anderem über SEO, Wachstum, Einnahmequellen und eine Investition, die sich rückblickend nicht gelohnt hat.
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